Archiv für März 2013

Proteste und Demonstration gegen den „1000 Kreuzemarsch“


Circa 80 Menschen versammeln sich vor der Aegidiikirche in Münster

Es war wieder soweit: Zum wiederholten Male riefen „EuroProLife“ zum Gebetszug „1000 Kreuze für das Leben“ auf. Am 09.03.2013 trafen sich etwa 80 fundamentalistische Christ_innen, Abtreibungsgegner_innen und konservative Stimmungsmacher_innen des rechten politischen Spektrums, um mit weißen Holzkreuzen durch Münsters Innenstadt zu marschieren. Die Kreuze sollen dabei symbolisch für die, laut „EuroProLife“, circa 1000 Abtreibungen stehen, welche in Deutschland an einem Tag durchgeführt werden.

EuroProLife

Die Vereinigung EuroProLife ist laut eigenen Angaben im Jahr 2007 nach einem Welt-Gebets-Kongress entstanden. Die Lebensschützer, wie sie sich selbst nennen, vereinbarten ein Treffen, bei dem Menschen verschiedener Konfessionen und Nationen zusammenkamen und EuroProLife gründeten. Seither setzen sie sich gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbruch ein. Mit „stillen Gebeten“ wollen sie an das „Gewissen“ der Menschen appellieren.

Recht auf Selbstbestimmung

Drastisch greifen sie mit dieser Forderung das Recht jeder Frau auf ein selbstbestimmtes, emanzipatorisches Leben an. Es sollte selbstverständlich sein, dass es niemandem befugt sein darf, über den Körper eines anderen Lebewesens zu bestimmen.
Das letzte Mal gab es Beschränkungen dieses Rechtes, wie EuroProLife sie fordern, zur Zeit des NS-Regimes. Schwangerschaftsabbrüche wurden mit härteren Strafen, zum Beispiel Freiheitsentzug, versehen und gleichzeitig Verhütungsmittel für Frauen schwerer zugänglich gemacht. Für Jüdinnen galt zu der Zeit Entgegengesetztes.

Kardinal von Galen – Lebenspatron oder Antisemit?

Ist dieser Vergleich angebracht? Diese Frage kann man unter Einbeziehung gravierender Fakten schlicht mit „Ja“ beantworten: Clemens August Kardinal Graf von Galen gilt EuroProLife als Patron für den Schutz „lebensunwerten Lebens“. Doch ist Kardinal Graf von Galen wirklich die selbstlose Person, an die man sich heute so gerne erinnert? Bei der Reichspräsidentenwahl unterstützte er keinesfalls das „Katholische Zentrum“, er wählte den Kandidaten der nationalen Rechten, Paul von Hindenburg. Er war auch der erste deutsche Bischof, der einen Treueeid auf den Staat leistete (1). Als die deutsche Wehrmacht die Sowjetunion am 22. Juni 1941 angriff, bezeichnete Kardinal von Galen dies als Kampf gegen die „Pest des Bolschewismus“. Kardinal von Galen, den man auch als „Löwen von Münster“ betitelt, hielt es für angebracht, Hitler selbst in seinen Schriften zu zitieren. Er hat es hingegen nicht für notwendig erachtet, sich gegen die Verfolgung und Ermordung der Juden, gegen den Antisemitismus und gegen die Tötung von Liberalen, Demokraten und Kommunisten auszusprechen. Ist das auch der Grund, warum zum 1000-Kreuze-Marsch auch immer wieder Aktivisten der JN und ProNRW erscheinen?

Gegenproteste in Münster am Größten

In Münster seien die Gegenproteste am Stärksten, nirgendwo wäre der Widerstand gegen den Aufmarsch der Fundamentalisten größer, betonte eine Teilnehmerin des 1000-Kreuze-Marsches. Vielleicht nehmen die Teilnehmerzahlen in Münster deshalb stetig ab? Auffällig ist auch, dass es keine Wortbeiträge zum Thema gab, lediglich einen Vorbeter, der seine hohlen Phrasen immer und immer durch das Mikrofon sprach. Haben sich die Abtreibungsgegner überhaupt schon einmal kritisch mit dem Thema beschäftigt, oder folgen sie dem „Aufruf für das Leben“ auf Grund einer blinden Religiösität?

1) „Vor Gott und auf die heiligen Evangelien schwöre und verspreche ich, so wie es einem Bischof geziemt, dem Deutschen Reich und dem Lande Preußen Treue. Ich schwöre und verspreche, die verfassungsmäßig gebildete Regierung zu achten und von meinem Klerus achten zu lassen.“

Emsdettener Neonazi aus der Anonymität geholt

Wie einem Bericht auf Indymedia zu entnehmen ist, wurden in der Nacht zum 05.03.2013 in der Nachbarschaft von Bodo Hollenborg Flugblätter und Plakate verteilt. Hierauf wurden die Personendaten und die Aktivitäten des Neonazis , aus Emsdetten, näher beleuchtet. Er ist, laut der Veröffentlichung, verantwortlich zu machen für eine Reihe von Bedrohungen, Sachbeschädigungen und Körperverletzungen. Zusätzlich beteiligte er sich an verschiedenen überregionalen Demonstrationen, knüpfte Kontakte zum aktiven Kern der Neonaziszene und unternahm diverse andere Versuche, die Emsdettener Nazibewegung zu verknüpfen und aufzubauen. Diese ist trotzdem noch immer als loser Freundeskreis zu definieren.

Besonders pikant: Die Emsdettener Volkszeitung half fleißig mit und veröffentlichte die Identität des Neonazis ebenfalls. hier
Der vollwertige Artikel findet sich hier.

Weitere Informationen könnt ihr gerne den lokalen Antifagruppen mitteilen.

Infobroschüre über „Die Rechte“ veröffentlicht

Vor einigen Tagen wurde die Broschüre „Sammelbecken verbotener Kameradschaften“ veröffentlicht, die Rechercheergebnisse über die neue Partei „Die Rechte“ in NRW darstellt. Neben dem Verlauf der Entwicklung der Partei seit deren Gründung im Mai 2012, bietet die Publikation eine Analyse zur möglichen zukünftigen Entwicklung. Sie stellt den bisherigen Verlauf insbesondere in Bezug zum Kameradschaftsverbot in den verschiedenen Städten NRW jeweils in einem adäquaten Umfang dar. Zusätzlich wird ein Blick auf einzelne Ortsgruppen und deren Protagonisten geworfen, so dass sich ein kurzes, aber gründliches Gesamtbild der Parteistrukturen in NRW ergibt.
Das gute Stück ist als Printmedium und als PDF verfügbar.
Mehr Infos: hier